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Impressionen aus Mali
Flussfahrt über den Niger nach Timbuktu
mit einer Pinasse, einer motorisierten Piroge (hier beim Beladen mit Getreide- und Zementsäcken in Mopti)

Timbuktu

Ein überdimensioniertes Friedensmonument erinnert an den ausgehandelten Waffenstillstand mit den Tuareg aus dem Jahr 1996. Damals wurden symbolisch die Maschinengewehre einbetoniert. Aber wer genau hinsieht, der bemerkt, dass das Monument bröckelt: an der Treppe und auch unweit der einbetonierten Waffen. Auch das ist symbolisch, denn von Frieden kann schon lange nicht mehr die Rede sein...
(s. u. „aus dem tagebuch“, 24. Januar 2009)

Zu Fuss durchs Land der Dogon

Die Dörfer der Dogon kleben wie Vogelnester in den steilen Feldwänden der Falaise, eines etwa 140 Kilometer langen Felsabbruchs im Nordosten Malis.
In manchen entlegenen Dörfern wird Touristen der Zutritt verweigert, es sei denn sie nehmen sich einen Führer, der die Honoratioren der Dörfer kennt und kleine Gastgeschenke mitbringt. Ich habe für die Tour „Ghana-Boy“ engagiert, einen etwa 70-jährigen, herzensguten Dogon. Er wird von allen nur „Ghana-Boy“ genannt, weil er als junger Mann für 10 Jahre nach Ghana ging, um dort zu arbeiten.

... und wer noch immer nicht genug Fotos gesehen hat, hier sind noch ein paar aus dem wunderschönen Land der Dogon
aus dem tagebuch
16. Januar 2009 Lasse Molly in Bamako im Haus der Familie Löffel zurück und fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Norden. Nach über 5 Monaten und mehr als 10.000 Kilometern tut mir ein bisschen Abstand vom Fahrradfahren sicher gut. Und Molly mag auch froh sein, dass sie mich mal los hat und sich ausruhen kann. Zuletzt gab sie mir einen entsprechenden Hinweis: ein Plattfuß auf den letzten Kilometern nach Bamako – allerdings erst der dritte auf der gesamten Tour, eine sensationelle Quote. Molly ist einfach unschlagbar.
19. Januar 2009 Bin in Djenné, betrachte die weltberühmte Moschee der Stadt, sie gilt als Meisterwerk der Lehmarchitektur und ist wirklich imposant und schön. Weil Montag ist, komme ich außerdem in den Genuss, den einmal pro Woche stattfindenden Markt der Stadt zu erleben. Er ist Treffpunkt der verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Nigerdeltas. Bambara, Bobo, Dogon und Fulbe kommen zu Fuß, mit Eselskarren, Fahrrädern oder Buschtaxis in die Stadt, um ihre Produkte zu verkaufen. Angeboten wird alles: Schuhe, Decken, Klamotten, Plastikeimer, Kalebassen, Tonkrüge Schmuck und Lederwaren, Obst und Gemüse, Gewürze, Erdnüsse, Fisch, - ein herrlich buntes Gewusel...
20. Januar 2009 Besteige gegen Mittag eine Pinasse, eine motorisierte Piroge, die mich nach Timbuktu bringen soll. Die Abfahrt ist für 14 Uhr vorausgesagt – um 17 Uhr 45 legen wir ab: „c'est l'afrique!“
21. Januar 2009 Wunderschöner, roter Sonnenaufgang am frühen Morgen, wenig später zieht ein eiskalter Nebel über den Fluss. Ich schätze, es sind nicht viel mehr als 5 Grad. Bin froh, warme Klamotten dabei zu haben. Die Fahrt unter blauem Himmel geht vorbei an grasbewachsenen, grünen Ufern und braunen Lehmdörfern. Am späten Vormittag erreichen wir den Debo-See und fahren zum zweiten Mal auf eine Sandbank auf.
22. Januar 2009 Ein Sandsturm zwingt uns zur Pause. Der Himmel ist neblig-trüb. Das Boot schaukelt, die Holzplanken knarren, der Wind heult. Es ist kalt.

23. Januar 2009 Als der Wind nachlässt und der Himmel langsam wieder aufklart, wird der Anker gelichtet. Wir tuckern weiter nach Norden, an den Ufern des Flusses mehren sich die Sanddünen. Als wir zum vierten Mal auf Grund aufsetzen, kommen wird dieses Mal nur mit Hilfe eines anderen Bootes frei.
24. Januar 2009 Laufe den ganzen Tag durch Timbuktu, komme am Nachmittag mit einem Tuareg ins Gespräch. Er berichtet, dass die malische Regierung sein Volk rücksichtslos bekämpfe. Politisch, in dem die Regierung jede Forderung der Tuareg nach Autonomie für Unrecht erkläre. Militärisch, in dem die malische Luftwaffe mutmaßliche Aufenthaltsorte der nach Unabhängigkeit strebenden Tuareg in der Wüste bombardiere und dabei auch zivile Opfer in Kauf nehme. Bei einem solchen Angriff seien erst vor etwa zwei Wochen 15 Dorfbewohner ums Leben gekommen – unter ihnen Frauen und Kinder. (Diese Angaben wurden mir später von anderen Gesprächspartnern bestätigt.) Die Welt, so erzählt der Tuareg weiter, habe sich von seinem Volk abgewandt. Selbst Libyens Staatschef Gaddafi (ein ausgewiesener Freund der Tuareg), lasse nichts mehr von sich hören. Dabei wollten die meisten Tuareg nichts weiter als Handel treiben. Sie wünschten sich mehr Unabhängigkeit, aber auch Frieden. Richtig sei aber auch, dass einige Tuareg den bewaffneten Kampf für einen eigenen Staat befürworteten. Im Rücken dieser Kämpfer gebe es dann noch eine dritte Fraktion von Tuareg und die seien das eigentliche Problem. Bei ihnen handele es sich schlicht und ergreifend um bewaffnete Kriminelle, um Banditen. Sie machten sich die unkontrollierbare Wüste zu Nutze, entführten Menschen, um Lösegeld zu erpressen, griffen Kasernen der malischen Armee an, um Waffen zu erbeuten und überfielen sogar die eigenen Tuareg-Dörfer, um an Nahrungsmittel zu gelangen.
28. Januar 2009 Bin seit inzwischen drei Tagen zu Fuß im Osten Malis unterwegs, im Land der Dogon. Die Dogon haben ihre Dörfer in eine steile Felswand gebaut. Dieser Felsabbruch, Falaise genannt, hat eine Länge von etwa 140 Kilometern. Um die verschiedenen Orte zu besichtigen, muss man auf stark versandeten Trampelpfaden am Fuße der Felswand durch die Ebene marschieren und dann mächtig die Felsen hinaufklettern. Mit Molly wäre das kaum möglich. Bin froh, ihr und mir das erspart zu haben. Absoluter Höhepunkt der Wanderung war heute die Strecke von Youga-Piri nach Youga-Dogorou über steil abfalllende Klippen und durch dunkle Felsschluchten. Wer mal zufällig in der Gegend ist, sollte die Tour nicht auslassen. Die Dörfer Youga-Piri nach Youga-Dogorou sind für Touristen eigentlich „gesperrt“. Die Dogon legen hier weiter großen Wert darauf, ihre Traditionen und ihren Lebensraum zu schützen. Dem „Tourismus-Geschäft“ hat man sich trotzdem nicht völlig verweigert. Ein Besuch der Orte ist daher durchaus möglich, sofern man sich einen Führer nimmt, der die Honoratioren der Dörfer kennt und kleine Gastgeschenke mitbringt. Ich habe für die Tour „Ghana-Boy“ engagiert, einen etwa 70-jährigen, herzensguten Dogon. Er wird von allen nur „Ghana-Boy“ genannt, weil er als junger Mann für 10 Jahre nach Ghana ging, um dort zu arbeiten.

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