
Namibia, Bilderbuch-Afrika
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Im Land der Himba...

...bei den schönsten Frauen der Welt...
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...und zu meiner großen Freude
auch ein Wiedersehen mit Mukarindu,
die ich bei meiner Reise 2003 traf
und der ich jetzt das Foto von damals übergeben kann.

Mukarindu (links 2003, rechts 2009)

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Ein Wiedersehen gab es auch mit dem über 20 Prozent steilen und etwa 1450m hohen Joubert-Pass, der auf einigen Kilometern asphaltiert wurde, weil sonst selbst die Autos Probleme bekommen (links 2003, rechts 2009)...

...und weil „kleine Regenzeit“ war, gab es auch wieder so manche herrliche Pfütze.
(links 2003, rechts 2009)

Notizen aus Namibia
14. November 2009: Seit ich Livingstone vor zwei Wochen verlassen habe, bin ich im Radfahrer-Rausch. Das bietet sich auch an: Zwischen den wenigen Ortschaften endlose Geraden, links und rechts nur die Kalahari, Sand. Ergebnis: über 1.500 Km in 13 Radfahr-Tagen. Höhepunkt heute: der Versuch meinen Langstrecken-Rekord von 203 Km an einem Tag zu brechen. Aber die Strecke führt nach Windhoek und wird auf den letzten 50 Km immer bergiger. Nach 180 Km breche ich den Rekordversuch ab. Keine Kraft mehr. Besenwagen. Übernachte in Ondekaremba, etwa 35 Km vor Windhoek.
16. November
Gönne mir was und kaufe mir in Windhoek in einem gut sortiertem Fahrradladen ein neues Radler-Shirt von der Schweizer Edelfirma „Assos“. Es ist schwarz. Da sieht man den Dreck nicht ganz so wie beim weißen Shirt. Das Blaue ist völlig zerfetzt.

18. November
Beschließe einen „kleinen Abstecher“ in den Nordwesten Namibias zu machen, ins Land der Himba. Dort war ich vor 6 Jahren schon einmal mit dem Fahrrad unterwegs. Jetzt würde ich zu gerne die Menschen wiedersehen, von denen ich 2003 ein Foto gemacht habe und ihnen das Bild von damals persönlich übergeben. Obwohl ich mir keine großen Hoffnungen mache, sie zu finden, würde ich bereuen, es nicht zu versuchen.
23. November
Erreiche Opuwo, „Hauptstadt“ der Himba-Region. Es ist ein staubiges Nest zwischen den Bergen. Sand wirbelt umher und staubt alles ein. Aber ich liebe den Ort. Er ist der „afrikanischste“ in ganz Namibia. Es gibt Garküchen, Marktstände mit Klamotten aus zweiter Hand. Dazu überall die stolzen und schönen Himba-Frauen, Seite an Seite mit Herero, Damara und Ovambo – ein buntes Völkergemisch, Alkoholsucht und Armut inklusive.
25. November
Nördlich der Ortschaft Okangwati finde ich den Himba-Kraal, in dem ich 2003 einige Fotos gemacht habe. Leider sind die Menschen von damals nicht da. Immerhin bekomme ich trotz gehöriger Verständigungs-Schwierigkeiten Informationen: Kapupupiza lebt inzwischen in einem anderen Ort, etwa 50 Km entfernt. Ihre Mutter ist aber noch da und so gebe ich ihr das Bild.

Auch Wendy, 2003 noch ein Kind und eine der wenigen, die ein paar Brocken Englisch sprechen konnte, ist an einen anderen Ort gezogen. Die einzige, die noch in der Region lebt, ist Mukarindu. Sie sei jetzt allerdings in einem Kraal, etwa 10 Km weiter nördlich. Ich fahre weiter und finde nach einigen Mühen auch den besagten Kraal. Ja, Mukarindu lebe hier, nur sei sie gerade mit ihrem Sohn in Okangwati in der Kranken-Station. Sie werde morgen oder übermorgen zurückkommen. Ich beschließe zu den Epupa-Falls zu radeln und auf dem Rückweg wieder vorbeizukommen.
26. November
Die Wasserfälle liegen direkt an der Grenze zu Angola und sind schön, aber ich habe nur Augen für die Menschen. Laufe mit meinen Fotos durch die Gegend und frage alle, „kennt ihr den, kennt ihr die“? Ich erfahre, dass Hiyenenisa und Kamuhewa (2003 Himba-Mädchen von etwa 9 Jahren) jetzt weit im Landesinneren leben. Nein, sie seien noch nicht verheiratet, hätten auch noch keine Kinder und gingen weiter zur Schule.

Wello Chambiru, ein alter Mann, der mir damals eine Kette angedreht hatte mit den Worten, sie werde mir immer Glück bringen, ist vor zwei Jahren gestorben.

Die Kette hängt übrigens als Talisman ebenso wie ein Traumfänger seit Beginn der Reise an meinem Lenker. Blieb noch Fernanda vom Volk der Semba, Verwandte der Himba aus Angola. Sie hatte 2003 mitten im Sand einen Backofen errichtet und die köstlichsten Brötchen der Region gebacken. Ich ging damals jeden Tag zu ihr...

Fernanda finde ich tatsächlich wieder. Das Geschäft mit den Brötchen hat sie inzwischen aufgegeben und arbeitet im „Epupa-Camp“. Sie sagt, dort habe sie wenigstens ein geregeltes Einkommen. Als ich ihr das Bild von damals übergebe, ist sie sichtlich gerührt.

Als wir uns verabschieden, bietet mir Fernanda an, extra für mich heute Abend noch einmal den Ofen anzuschmeißen. Den Ofen gibt es nämlich noch. Da bin dann auch ich gerührt.
27. November
Fahre zurück Richtung Okangwati und stoppe ein zweites Mal in dem Kraal, in dem Mukarindu lebt. Alle wissen inzwischen, dass ich sie suche und so kommt auch gleich Kapika herbei und gibt mir zu verstehen, dass Mukarindu noch immer in Okangwati sei. Ich fahre in den Ort, suche die Kranken-Station, finde Mukarindu aber noch immer nicht. Es heißt, sie müsse irgendwo im Ort sein. Ich laufe mit meinem Bild in der Hand durch die Straßen und frage alle, „habt ihr Mukarindu gesehen“? Einige kennen sie nicht, andere behaupten, sie sei wieder zurück in ihren Kraal.
28. November
Ich radele zum dritten Mal hinaus in den Kraal. Dort heißt es, Mukarindu sei aus der Stadt zurück, aber irgendwo im Busch unterwegs. Ich solle warten, sie käme sicher am Abend zurück. In diesem Moment zeigte sich, dass ich kein Afrikaner bin. Der hätte sich jetzt nämlich 6 Stunden unter einen Baum gesetzt und gewartet. Ich konnte das nicht und beschloss einen 3-Tage Ausflug zum Van Zyl's Pass zu starten.
Die Piste zum Pass hat einen Hauch Kongo: entweder tief versandet oder steil die Berge hoch und runter: ausgetrocknete Fluss-Furten, Felsen, Steine und immer wieder Schieben.
29. November
Mittags um ein Uhr weiß ich, dass ich mich gnadenlos verfahren, irgendeinen Abzweig verpasst habe. Die Sonne steht direkt über mir. Es hat 49 Grad. Keine Ahnung mehr, wo Norden oder Westen ist. Die einzige Wasserpumpe der Region funktioniert nicht mehr. Der Kraal dahinter ist menschenleer.

Treffe wenig später drei Himba-Mädchen. Auf meine Frage, wo es zum Van Zyl's Pass geht, deuten sie in verschiedene Richtungen. Sie bitten mich um Wasser. Jetzt bleibt mir nur noch ein Liter. Ich beschließe, nicht verdursten zu wollen und den Weg zurück zu fahren, den ich gekommen bin. Bis zur nächsten Ortschaft, Etangwa, sind es etwa 30 Kilometer. Ein Liter Wasser für 30 Km ist bei der Piste und der Sonne bescheiden...
Abends erreiche ich Etangwa und fülle alle Wasserflaschen auf. Meine Neugier, Mukarindu wieder zu sehen ist größer als meine Lust, einen neuen Versuch zum Van Zyl's Pass zu starten.
30. November
Gegen Mittag bin ich zurück in Okangwati, am Nachmittag im Kraal. Niemand sitzt wie sonst üblich unter dem schattigen Baum am Eingang. Aber man hat mich längst kommen sehen. Mukarindu tritt aus einer Hütte und läuft auf mich zu. Mein Herz pocht. Sie ist noch immer so schön wie vor 6 Jahren. Nein, schöner.



