Zambia

Land der Wasserfälle, Flüsse und Seen, Berge, Gras-Steppen und Wälder. Land zwischen Kühen und Kupfer, Asphaltstraßen und Linksverkehr in der endlosen Weite.
Abstecher in den South-Luangwa-Nationalpark

Tagsüber Elefanten, nachts grasen die Hippos direkt vor meinem Zelteingang, keine 50 cm entfernt. Affen toben durch die Bäume und auch sonst das volle Programm: Löwen, die sich an einem erlegten Büffel satt fressen. Hyänen, Leoparden, Geier, Giraffen, Zebras, Antilopen...
aber am beeindruckendsten doch die Löwen
Die Victoria-Falls zwischen Zambia und Zimbabwe

Notizen aus Zambia
05. August 2009 Einreise, Englisch sprechen, Linksverkehr, Hirn umpolen. Ich reiche dem in eine Alkohol-Fahne eingehüllten Grenzer meinen blüten-weißen Ersatz-Reise-Pass. Als er ihn aufschlägt und sich wundert, dass kein einziger Stempel darin ist, erläutere ich kurz, der alte Pass sei voll, kein Platz mehr für weitere Visa und Stempel. Der Mann nickt verständnisvoll und will den alten Pass nicht einmal sehen. Dann beginnt die Verhandlung über die Dauer der Aufenthaltserlaubnis. Ich bitte ihn, mir ein Visum für 90 Tage auszustellen. Er sagt, er dürfe nur 30 Tage vergeben und dafür seien 50 US-Dollar zu zahlen. Ich erkläre, dass mir 30 Tage nicht reichten, ich sei schließlich mit dem Fahrrad unterwegs und habe gehört Zambia sei ein großes und schönes Land. Der Grenzer sieht mich an und sagt, er habe ein wenig Spielraum bei der Vergabe des Visums und würde gerne davon Gebrauch machen, wenn auch ich mich erkenntlich zeigte. Ich verstand und schob zu den 50 Dollar, die bereits auf seinem Tisch lagen, noch 20 dazu. Kaum ist der Einreise-Stempel mit 90-Tage-Visum im Pass, betritt ein Zollbeamter den Raum und weist mich darauf hin, dass er alle meine Taschen kontrollieren müsse. Ich sage: „no problem“. Während wir zum Fahrrad laufen, das ich vor dem Grenzhäuschen abgestellt hatte, verwickele ich den Mann in ein Gespräch und berichte ihm von meiner Reise. Am Fahrrad angekommen, erzähle ich weiter, deute auf meine Packtaschen und teile ihm mit, was ich so alles dabei habe. Der Zollbeamte verzichtet schließlich darauf, alles sehen zu wollen und wünscht mir eine gute Reise.
06. August 2009 Vollmond. Vor genau einem Jahr gestartet. Schon wieder ein Grund zu feiern...
09. August 2009 erreiche die Distrikt-Hauptstadt Mansa. Zu meiner großen Erleichterung (denn ich habe kaum noch Geld) gibt es eine Bank und einen funktionierenden Bankautomaten. Zum ersten Mal seit über einem Viertel Jahr (seit Yaoundé in Kamerun) komme ich dank meiner Visa-Karte wieder dazu, Bargeld nachzutanken. Das nutze ich gleich zu einem Großeinkauf und gehe zu „Shoprite“, einem riesigen Supermarkt. Nach dem Leben in der Zentralafrikanischen Republik und im Kongo ein echter Kultur-Schock. Es gibt alles: frische Milch, Schokolade, Joghurt, Käse... Und ich kaufe alles, wonach mir ist.
13. August 2009 nach 4 Ruhetagen in Mansa fahre ich weiter. Ruhetage? Habe mir den Magen voll geschlagen, um festzustellen, dass ich mich erst wieder an die vielen Milchprodukte gewöhnen muss... Habe geschrieben, die Homepage aktualisiert, Mails beantwortet, das Fahrrad inspiziert, repariert, geölt, gefettet...

18. August 2009 Die zunehmend bergige Strecke und der Gegenwind lassen mich kalt – ich fahre endlich wieder mal auf Asphalt. Welch ein Vergnügen. Freue mich bereits auf Lusaka. Dort leben Verwandte von mir, von denen ich bis vor kurzem gar nicht wusste, dass es sie gibt. Wie schön, eine große Familie zu haben...
22. August 2009 Ankunft bei Brigitte und Peter in Lusaka. Werde herzlich aufgenommen, kulinarisch verwöhnt. Genieße es, endlich mal wieder deutsch zu sprechen und mich über die Erfahrungen in Afrika auszutauschen.
30. August 2009 meine seit Monaten immer länger gewordene „to-do-Liste“ ist fast abgearbeitet. Ich plane schon meine Weiterreise, da taucht ein neues Problem auf: die von Manfred (einem in Lusaka lebendem Deutschen) gestiftete und dringend benötigte neue Kette knarrzt beim Treten (vermutlich weil Ritzel und Kettenblatt abgenutzt sind und die neue Kette nicht mehr richtig aufnehmen können). Beschließe nach langem Hin und Her, mir Ersatzteile aus Deutschland schicken zu lassen. Um die Zeit bis zur Ankunft der Ersatzteile zu nutzen, fahre ich in den South-Luangwa-Nationalpark, von vielen als echter Geheimtipp gepriesen.
09. September 2009 Ankunft in Mfuwe am South-Luangwa-Nationalpark. Bin im Camp der einzige Gast mit Zelt. Kaum steht meine kleine Behausung, nähert sich eine neugierige Gruppe Elefanten, was mich zum Rückzug an die Bar der Lodge zwingt. Auch nicht schlecht...
13. September 2009 Nach vier Tagen im Camp und zwei „wildlife-drives“ im Nationalpark reise ich wieder ab. Es war grandios: Nachts grasten die Hippos direkt vor meinem Zelteingang, keine 50 cm entfernt. Affen tobten durch die Bäume, verzogen sich nur, wenn die Elefanten anmarschiert kamen. Und selbst wenn ich nicht so auf Safaris im offenen Wagen stehe, einmal im Leben muss man das doch machen. Nicht nur, um mitreden zu können, sondern weil das Erlebnis wirklich beeindruckend ist: Ich sah Löwen, die sich an einem erlegten Büffel satt fraßen. Hyänen, Leoparden, Geier, Giraffen, Zebras, Antilopen, Kudus, Gnus, Krokodile – allesamt in freier Wildbahn, sich belauernd oder sorglos umherschweifend, aber alle mit fast immer nur einem Ziel: Fressen. Apropos: wusstet ihr, dass Elefanten 16 Stunden am Tag nichts anderes machen als Grünzeug zu knabbern?
15. September 2009 die alte abgenutzte Fahrrad-Kette tut es noch immer, dafür bricht mein Sattelgestell ein zweites Mal. Jetzt sind auch gleich beide Streben durch. Ich schiebe die Bruchstellen in die Sattelklemme und hoffe, das hält bis Lusaka...

21. September 2009 zurück in Lusaka gleich noch ein Unglück. Am Nabengehäuse meiner Rohloff-Schaltung bricht ein Stück ab, eine Speiche liegt frei. Reparatur unmöglich, brauche ein neues Nabengehäuse.
22. September 2009 Telefoniere mit der Firma Rohloff und meinen Fahrradladen „Radschlag“ im Frankfurter Nordend. Beide signalisieren unkompliziert Hilfeleistungen. Nach weiteren Telefonaten, Recherchen und diversen e-mails steht bald folgender Plan fest: Ich gebe das alte Nabengehäuse (ohne Felge) Brigitte und Renate mit, zwei deutsche Urlauberinnen, die auf der Heimreise in Frankfurt landen. Am Flughafen nimmt Jana, eine Kollegin vom Hessischen Rundfunk, die Nabe in Empfang und bringt sie zu meinem Fahrradladen, wohin Rohloff bereits ein neues Nabengehäuse samt Felge geschickt hat. Das Radschlag-Team baut die alte Nabe ins neue Gehäuse. Mein Freund Martin holt das neue Hinterrad ab (samt neu aufgezogenem Ritzel, dazu neue Kette sowie neues Kettenblatt) und bringt alles Andrea (ebenfalls eine Kollegin vom HR). Sie reist Anfang Oktober gemeinsam mit ihrem Mann Norbert im Urlaub u.a. zu den Victoria-Falls, wo wir uns treffen können. Da beide ein großes Herz haben (und offenbar auch große Koffer) bringen sie mir gleich noch diverse andere „Kleinigkeiten“ mit: wenn schon denn schon... So bitte ich meine Freundin Petra zum „Bummeln“ auf die Frankfurter Pisten. Sie besorgt alles, was auf meiner Wunschliste steht. Fürs Fahrrad: Mantel, Sattel, Low-Rider-Taschen, Rohloff-Öl, Kugellagerfett, Fahrrad-Computer, Bremsgummis. Für meinen Kocher eine neue Schüttelnadel und für mich: USB-Sticks, Sandalen, Sonnenmilch, Zahnseide, Mütze...
05. Oktober 2009 Reise mit dem Bus nach Livingstone
06. Oktober 2009 besichtige die Victoria-Falls.
07. Oktober 2009 Treffe Andrea und Norbert. Sehr schöner Abend... Und sie haben alle Teile dabei. Für mich ist es wie Weihnachten und Geburtstag in einem.

08. Oktober 2009 Zurück in Lusaka. Hertha Müller erhält den Literatur-Nobelpreis. Habe noch nie etwas von ihr gehört...
09. Oktober 2009 Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis. Das verstehe wer will...
10. Oktober 2009 Fußball-Abend vorm Fernseher. Deutschland qualifiziert sich in Moskau mit einem 1:0 Sieg gegen Russland für die WM in Südafrika. Die Deutschen spielen grotten-schlecht. Nur Adler und Ballack haben Normalform. Das Spiel hätte 5:1 für Russland ausgehen können. Aber die Russen treffen das Tor nicht. Kommentator Marcel R. plärrt irgendetwas dumpfbackiges von der „russischen Seele“ und nach dem Schlusspfiff reden alle deutschen Spieler und auch Jogi Löw von einem „verdienten Sieg“...
13. Oktober 2009 Das Fahrrad ist wieder zusammengebaut. Alles gepackt.
14. Oktober 2009 Abschied von Peter und Brigitte. Das fällt nicht leicht...
19. Oktober 2009 Ankunft in Livingstone. Dieses Mal mit dem Fahrrad...
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